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    Auktion im Mai

    Aix-Phila: Erfolg
    durch Unabhängikeit

     
     
     
      Andreas Kaufmann, Manfred Wagener, Stefan Jopke
      und Hinrich Osterloh (von links) sind die vier Geschäftsführer von Aix-Phila in Aachen.
     van Loo
     
    Am 11.und 12. Mai gibt es
    in der Kaufmännischen
    Schule Aachen wahrschein-
    lich wieder einen großen
    Menschenandrang. In der
    altehrwürdigen Aula inmit-
    ten der Stadt ruft die in un-
    mittelbarer Nähe residie-
    rende Auktionsfirma Aix-
    Phila zur Frühjahrsauktion.
    Der BMS stellt Ihnen
    die bevorstehende Auktion
    und die Firma näher vor.

     
    Der erste Briefmarkenblock   
    der Welt erschien 1923 in Lu-
    xemburg. Den Aachenern ge-
    lang es, einen Anlegerposten
    von nicht weniger als 16
    Stück zu übernehmen. Sechs
    kommen nun einzeln zum
    Schätzpreis zwischen 500 und
    800 Mark zum Ausruf, zehn
    Stück sind für 5000 Mark er-
    hältlich - wenn nicht der
    Auktionsverlauf höhere Ge-
    bote bringt und damit einen
    höheren Zuschlag.

    Alles deutet darauf hin, daß
    die Aula auch zwei Wochen
    vor Pfingsten wieder mit
    mehreren hundert Saalbie-
    tern gefüllt sein wird. Unter
    den 4742 Losen befinden sich
    reihenweise Eckrand-Vierer-
    blocks der ersten Jahre von
    Bund und Berlin. Eine
    Sammlung aus Privathand
    wurde in rund hundert Ein-
    zellose geteilt, um vielen In-
    teressenten den Zugriff zu er-
    leichtern.

    " Objekt der Sammlerbegier-
    de " dürften sicherlich die Rot-
    aufdrucke aus der rechten
    oberen Ecke sein oder 100
    Sätze der Grünaufdrucke
    MiNr. 64-67. Sie stehen mit
    75000 Mark im Katalog
    (Ausruf: 20 000).

     
    Hinrich Osterloh, bislang al-
    leiniger Versteigerer bei Aix-
    Phila, berichtet von zusätzli-
    chen bemerkenswerten High-
    lights der bevorstehenden
    Versteigerung, mittlerweile
    der 28. in der Firmenge-
    schichte. Auf dem Titel des
    Auktionskataloges, der ko-
    stenlos bei der Firma ange-
    fordert werden kann, wird
    eine SBZ 68 der Provinz
    Sachsen mit Y-Wasserzeichen
    (Stufen steigend) zu sehen
    sein. Bei 8000 Mark Ausruf
    beginnt das Steigern um die
    mit 25 000 Mark katalogisier-
    te Seltenheit.

    Auf einer deutschen Auktion
    seit Jahren nicht mehr ange-
    boten wurden vier komplette

    Markenbogen aus der deut-
    schen Kolonialzeit ohne Was-
    serzeichen. Als " besonders
    schönes Stück " bezeichnet
    Osterloh die 5 Mark-Maria-
    nen, die wir auf der folgenden
    Seite abbilden. Zwei Bogen
    kommen aus Kamerun, einer
    aus Südwestafrika. Osterloh:
    " Sie sind taufrisch, als wenn
    sie gerade bei der Post ge-
    kauft worden wären. " Der
    Ausruf liegt bei 7000 Mark.
    Im Katalog ergeben allein die
    Einzelmarken 20000 Mark.

    Als den " Großen Innen-
    dienst " bezeichnen Philateli-
    sten die 1920 in Danzig ver-
    ausgabten drei Aufdruckmar-
    ken auf den Germania-Frei-
    marken 60 Pfennig, eine
    Mark und zwei Mark. Von

    den ohnehin geringen Be-
    ständen blieben ganz wenig
    gebrauchte erhalten. Einen
    sauber gestempelten Satz auf
    Briefstücken bietet Aix-Phila
    " in extrem guter Erhaltung "
    (Osterloh) im Mai an. Ver-
    bandsprüfer Volker Erdwin
    bezeichnet ihn im Attest als
    " besonders schönen Satz ".
    Im Katalog steht er für 18000
    Mark, Ausruf 7000.

    Die Erfolgsgeschichte der
    Aachener Briefmarkenaukti-
    on begann 1987, als sich drei
    Philatelisten zur Firma zu-
    sammenschlössen, der sie
    nicht etwa einen Personen-
    Namen gaben, sondern den
    alten französischen Namen
    Aachens hinzuzogen: Aix-la-
    Chapelle.

     
     
    Vom ersten mit Schreibmaschine erstellten Katalog bis zur heutigen Aufmachung - was für ein Sprung!
     
    Ein Archivfoto aus dem Jahe 1987; Vorbesichtigung zur ersten
    Aix-Phila Auktion.
     
    5/2001  BRIEFMARKEN - SPIEGEL

        
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    Hinrich Osterloh, durch sei-
    nen Vater philatelistisch "vor-
    belastet " , hatte schon
    während seines Romanistik-
    Studiums " Berufs-Philate-
    listen-Luft " geschnuppert. Da
    kam es gerade recht, daß
    Manfred Wagener, der Numis-
    matiker und Einzelhandels-
    kaufmann, nach Veränderung
    Ausschau hielt und Andreas
    Kaufmann (EDV/Verwal-
    tung) sowie etwas später Ste-
    fan Jopke ins Boot stiegen.

    Zur ersten Auktion 1987 er-
    schien ein mit Schreibmaschi-
    ne getippter, eher schlichter
    Katalog mit 492 Losen. Der
    Saal war auf Anhieb geram-
    melt voll. Die Aachener woll-
    ten sehen, was das einzige
    Briefmarken-Auktionshaus
    am Ort so auf die Beine
    stellt. Immerhin 40000 Mark
    Umsatz machte Aix-Phila,
    seit 1992 förmlich eine
    GmbH, damit.

    Heute sind die Zahlen beein-
    druckender: Zu einer Zu-
    schlagssumme von 1,25 Mil-
    lionen Mark trugen im Herbst
    4200 Objekte mit Schätzprei-
    sen von 900000 Mark bei,
    rechnet Osterloh zusammen.
    Diese Zahlen belegen die
    enorme Steigerungsquote, zu
    der eine Verkaufsquote von
    85 Prozent kommt.

    Die wertvollsten Einzellose
    waren bisher ein "Stockach-
    Provisorium" (20000 Mark

     
    Ausruf, 40000 Zuschlag) im
    November 1999 und der
    rechts abgebildete China-
    Handstempel, der eine Auk-
    tion später auf 51000 Mark
    hochschnellte. Besonders
    stolz sind die vier Phil-
    atelisten jedoch auf die
    Sammlungen im Angebot.

    Die Aachener erklären die-
    sen Erfolg mit ihrem großen
    Kundenstamm von 12000
    Sammlern. Aix-Phila zählt
    europaweit zu den Briefmar-
    kenauktionen mit dem größ-
    ten Saalpublikum. Auch die
    Einlieferungen kommen zu
    95 Prozent von Privatleuten.
    Eine anderswo zu beobach-
    tende Abhängigkeit von
    Großkunden ist damit von
    vornherein ausgeschlossen.

    In der kommenden 28. Auk-
    tion werden nicht weniger als
    1800 Sammlungen ausgeru-
    fen. Sie wurden in den ver-
    gangenen Monaten zu 95
    Prozent bei Privatleuten ein-
    geworben. Osterloh: "Wir
    rechnen wieder mit hohen
    Steigerungsquoten."
    Kein Wunder, daß das ganz
    auf Seriösität setzende Team
    weiter Expansion im Auge
    hat: Nach Osterloh hat bald
    auch sein Kollege Stefan Jop-
    ke eine Versteigerer-Lizenz.
    Allein ist die Aufgabe, an
    zwei Tagen fast 5000 Lose zu
    versteigern, einfach nicht
    mehr zu schaffen.

    GERD ASCHOFF
     

     

     
     
     
     
     
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